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MDFB · Folien aus den Sitzungen

Diagnostische Verfahren

Sieben Zugänge, mit denen sich im laufenden Unterricht diagnostizieren lässt — von der Aufgabenstellung über Selbsteinschätzung bis zum Zielvereinbarungsgespräch.

10 Folien · u. a. nach Jürgens/Lissmann 2015, Leisen, Winter 2018

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Am Handy am besten quer halten — dann stehen die Folien im Originalformat.

rahmen · nach jürgens/lissmann 2015

Wozu diagnostiziert wird

Pädagogische Diagnostik Förderfunktion Qualifikationsfunktion Rückmeldefunktion Lernhilfe Lehrhilfe Befähigungs- nachweise Lernspuren, Lernschritte, Anspruchsniveau Unterrichtssettings, Lernumgebung Versetzung, Zertifikate, Zugangsberechtigungen

nachgebaut nach Jürgens/Lissmann 2015, S. 50 · Abb. 14

Diagnostik ist Teil der laufenden Unterrichtssituation. Deshalb müssen die Verfahren unkompliziert genug sein, dass aus ihnen tatsächlich Konsequenzen folgen.

Das Ziel ist schlicht: Aufgaben und Material, die zu den Lernvoraussetzungen passen.

!

Diagnose mit Konsequenz: Erkenntnisse die zur Passung von Aufgaben und Material genutzt werden. An dieser Stelle entscheidet sich, ob Diagnostik im Unterricht ankommt.

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überblick

Sieben Zugänge aus dem laufenden Unterricht

  • 1 · diagnostische Aufgaben – den Lernenden in den Kopf schauen.
  • 2 · Selbstdiagnosen integrieren – Lernende als Partner der Diagnostik
  • 3 · Selbst- und Fremdeinschätzung – die Differenz ist der Gesprächsanlass.
  • 4 · Partnerarbeit auf Diagnose ausrichten – (Form der diagnostischen Aufgabe) Aushandeln macht Denken sichtbar.
  • 5 · Lernprozesse dokumentieren – Lerntagebuch, Portfolio, Lernjournal.
  • 6 · Gezielt beobachten – geplant, mit Deskriptoren, und mit wenig auf einmal.
  • 7 · Gespräche führen, Ziele vereinbaren – die Schnittstelle zwischen Diagnose und Förderung.

roter faden

Alle sieben laufen auf dasselbe hinaus: den Lernprozess sichtbar machen, über sein Ergebnis hinaus. Was sichtbar ist, lässt sich fördern.

Zu den Effektstärken auf den folgenden Folien: Sie stammen aus Hattie 2009 und werden in der Vorlage so zitiert; in der laufend fortgeschriebenen Datenbank (MetaX) liegen mehrere Werte niedriger. Zwei Etiketten lohnen den zweiten Blick: providing formative evaluation (0,90; heute 0,48) beschreibt die Lehrkraft, die die Wirkung des eigenen Unterrichts prüft, und self-reported grades (1,44) die Selbsteinschätzung der Lernenden. Als Größenordnung sind die Zahlen brauchbar; für eine einzelne Methode zählt das Konstrukt dahinter.
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verfahren 1 · d = 0,61 problemlösender unterricht

Aufgabenstellungen diagnostisch nutzen

Aus der Art, wie jemand eine Aufgabe bearbeitet, lässt sich mehr ablesen als aus dem Ergebnis. Entscheidend sind die Gestaltung der Aufgabe und ihr Einsatz – und die konstruktive Rückmeldung danach.

woran man eine diagnostische aufgabe erkennt

  • Sie ist offen genug, dass individuelle Bearbeitungswege sichtbar werden.
  • Sie verlangt eine Eigenproduktion, also ein auswertbares Produkt.
  • Sie fokussiert eine zu diagnostizierende Kompetenz.
  • Sie ist kurz und leicht auszuwerten – sonst wird sie nicht eingesetzt. (gilt für den Einstieg)
  • Das Ergebnis ist auf Anhieb interpretierbar, auch für die Lernenden.
  • Sie schafft einen angstfreien Lernraum, in dem Irrwege dazugehören.

nach Leisen 2011/2018 und Hallet 2011

problemlösen in anlehnung an polya · vier schritte

1 Verstehen – Was ist das Problem? Ursachen identifizieren, Fragen mehrperspektivisch klären.

2 Planen – Strategien auswählen und priorisieren.

3 Durchführen – den Plan umsetzen.

4 Prüfen – die Lösung evaluieren.

Jeder dieser vier Schritte ist eine eigene Beobachtungsstelle. Am meisten über das Verstehen zeigen die Schritte 1 und 2.

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verfahren 2 · d = 1,44 selbsteinschätzung

Selbstdiagnosen anbieten

Lernende als aktive Partner der Diagnostik: Sie benennen Stärken und Entwicklungsfelder selbst und entwickeln Bearbeitungsideen dazu.

Der Ertrag ist doppelt. Die Selbsteinschätzung liefert eine Diagnose und ist zugleich Förderung, weil Verantwortung für den Lernprozess übergeht.

warum das der stärkste einzelfaktor ist

Wer die eigenen Erfolgsaussichten realistisch einschätzen kann, steuert sein Lernen anders. Genau das misst Hatties Spitzenwert self-reported grades – und er setzt voraus, dass die Kriterien offenliegen.

Der Schüler / die Schülerin kann … immermeistensmanchmalnie
Arbeitsverhalten
Aufgaben allein lösen.○○○○
sich auf die Arbeit konzentrieren.○○○○
Aufgaben in der vorgegebenen Zeit lösen.○○○○
Lernverhalten
Misserfolge überwinden.○○○○
zielgerichtet arbeiten.○○○○
Sozialverhalten
Kritik annehmen und umsetzen.○○○○
andere unterstützen.○○○○

Auszug, nachgebaut nach Friedrich Jahresheft 2019

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verfahren 3 · d = 0,73 feedback

Selbst- und Fremdeinschätzung nebeneinanderlegen

Fachwissen selbstständig arbeiten zusammenarbeiten sorgfältig arbeiten durchhalten präsentieren Selbsteinschätzung Fremdeinschätzung

Kompetenzspinne oder Beurteilungsraster doppelt ausfüllen lassen – einmal von der lernenden Person, einmal von der Lehrkraft.

Die Fläche interessiert weniger als die Zacken. Wo beide Linien auseinanderlaufen, liegt der Gesprächsanlass: einmal Unterschätzung, einmal Überschätzung, beides erklärungsbedürftig.

gesprächseinstieg

„Hier sehen wir es gleich, hier unterschiedlich. Womit hängt das zusammen?“ – und erst danach die Bewertung.

didaktische Spinne nach Gerdsmeier

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verfahren 4 · d = 0,74 reziprokes lehren · 0,59 kooperatives lernen

Partnerarbeit auf Diagnose ausrichten

diskutieren in erstellen legen offen beobachtet beobachtet fordert ein ist ein analysiert informiert gibt Einblick Lernende Gruppen Concept Map Begriffsverständnis Lehrkraft Diagnoseinstrument

Aufträge so bauen, dass die Lösung ausgehandelt werden muss und die Spuren der Diskussion stehen bleiben. Sichtbar wird dann das Konzept hinter dem Ergebnis.

Die Concept Map ist dafür der klassische Träger: Sie zwingt zu Begriffen und Beziehungen und ist danach auswertbar.

nebenwirkung, die zählt

Lernende schätzen im Aushandeln auch das eigene Können besser ein und helfen sich gegenseitig. Peer-Tutoring liegt bei d = 0,55.

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verfahren 5 · dokumentierte lernprozesse

Lernprozesse dokumentieren lassen

Lerntagebuch unstrukturiert vorstrukturiert strukturiert Variante 1 Variante 2 Variante 3 Lernjournal

nachgebaut nach Winter 2018 · Abb. 20

Der Übergang ist fließend. Je strukturierter die Vorgabe, desto auswertbarer die Einträge – und desto weniger bleibt vom eigenen Denken übrig. Die Variante wählt man nach dem Zweck.

fünf leitfragen nach jürgens 2010

In welchen Schritten bin ich vorgegangen? · Was habe ich getan, um Schwierigkeiten zu überwinden? · War die Zeit ausreichend, war das Material passend? · Wie beurteile ich meinen Lernfortschritt? · Was will ich beim nächsten Mal anders machen?

die bedingung

Die Wirkung entsteht in der Auswertung: Feedup, Feedback, Feedforward. Ein Lerntagebuch, das niemand liest und niemand bespricht, ist eine Sammelmappe.

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verfahren 6 · von der kompetenz zum deskriptor

Gezielt beobachten

KOMPETENZEN VERHALTENSWEISEN & DESKRIPTOREN Allgemeine Kompetenz Selbstkompetenz Sozialkompetenz Methodenkompetenz Fachkompetenz Gewissenhaftigkeit Durchhalten … sorgfältig arbeiten verlässlich arbeiten … – hält den Arbeitsplatz ordentlich – achtet auf Genauigkeit – geht pfleglich mit Material um

Beobachtung zielt auf das Warum und Wie eines Ergebnisses. Sie muss geplant werden – und braucht Unterrichtsphasen, in denen man nicht selbst führt: Gruppenarbeit, Freiarbeit.

Der Weg von oben nach unten ist die eigentliche Arbeit: Aus einer Kompetenz wird eine Verhaltensweise, daraus ein Deskriptor, den zwei Personen gleich beurteilen würden.

der häufigste fehler

Zu viel auf einmal vornehmen. Zwei Deskriptoren bei fünf Lernenden schlagen zehn Kriterien bei der ganzen Klasse.

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verfahren 7 · schnittstelle zur förderung

Gespräche führen und Ziele vereinbaren

Was das Gespräch liefert

Lernstandsgespräche geben Einblicke, die kein Bogen erzeugt: persönliche, situationsgebundene, oft überraschende.

Es ist die Stelle, an der aus einer Diagnose eine Vereinbarung wird – und damit Förderung.

Formate

  • Lernstandsgespräch
  • Lernberatung
  • Zielvereinbarung
  • Lernplan und Förderplan

Alle vier leben davon, dass am Ende etwas Konkretes und Überprüfbares steht.

Was es wirksam macht

Die Reflexion der Lernschritte: wie jemand vorgegangen ist und wo er umgestiegen ist. Und ein Ziel, das die lernende Person selbst formuliert hat.

Ohne Termin für das nächste Gespräch bleibt die Vereinbarung eine Absichtserklärung.

bindeglied zu den anderen sechs

Die Verfahren 1 bis 6 erzeugen Material. Erst das Gespräch macht daraus eine gemeinsame Deutung – und ohne gemeinsame Deutung bleibt jede Diagnose die Sicht der Lehrkraft.

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für die eigene ausbildung

Drei Fragerichtungen – auch für die eigene UB-Reflexion

Feedup

Was ist das Ziel?

  • Was waren meine Ziele im Unterrichtsbesuch?
  • Welche Aufgaben hatte ich mir vorgenommen?

Feedback

Wie komme ich voran?

  • Was habe ich gelernt, erreicht, verstanden?
  • Was habe ich noch nicht ausreichend erreicht?
  • Wie bin ich hinsichtlich meiner Ziele vorangekommen?
  • Wer oder was hat mir geholfen, wer hat mich gebremst?

Feedforward

Wie wird das Lernen künftig besser?

  • Was soll besser werden?
  • Welche Schritte nehme ich mir konkret vor?
  • Worauf achte ich in der nächsten Stunde besonders?
  • Wer oder was kann mich unterstützen?
Der Fragenkatalog ist derselbe wie für Ihre Lernenden. Wer die Struktur an sich selbst erprobt hat, formuliert sie im Unterricht anders – und merkt, an welcher Stelle sie unangenehm wird.
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