Das Feedbackmodell von Hattie & Timperley — Ebenen und Rückmeldearten
Feedback wirkt nicht von allein. Entscheidend ist, worauf es sich bezieht und ob es das Lernen tatsächlich voranbringt. John Hattie und Helen Timperley liefern dafür ein einfaches, im Unterricht gut nutzbares Gerüst.
Drei Fragen, die wirksames Feedback beantwortet
- Feed Up – Wohin geht die Reise? Ziele und Erfolgskriterien sind klar.
- Feed Back – Wo stehe ich gerade? Rückmeldung zum aktuellen Stand im Verhältnis zum Ziel.
- Feed Forward – Wie geht es weiter? Konkrete nächste Schritte.
Diese Fragen richten sich an die Lernenden – und an die Lehrkraft, die ihren eigenen Unterricht daran ausrichtet.
Feedback braucht Diagnostik
Bevor man rückmelden kann, muss man den Lernstand erkennen. Bewusste, explizite Diagnostik beginnt damit, eigene Routinen infrage zu stellen, statt nur ein Bauchgefühl zurückzumelden.
Die vier Ebenen des Feedbacks
- Aufgabe / Produkt: richtig oder falsch, vollständig? Wirkt schnell, bleibt aber oberflächlich, wenn es dabei bleibt.
- Prozess: Strategien und Vorgehen bei der Bearbeitung – überträgt sich auf ähnliche Aufgaben.
- Selbstregulation: Selbsteinschätzung, Steuerung des eigenen Lernens, Umgang mit Fehlern – stärkt eigenständiges Weiterlernen.
- Person / Selbst: Lob zur Person („Du bist klug”) – lernförderlich am schwächsten und kann sogar schaden.
Faustregel: Rückmeldungen auf der Prozess- und Selbstregulationsebene sind in der Regel am wirksamsten.
Leitfragen und thematische Aspekte je Ebene
Zu jeder Ebene lassen sich passende Impulsfragen formulieren (Maitzen) und thematische Aspekte zuordnen (Wilkening) – etwa zur Zielerreichung auf der Aufgabenebene oder zu Lösungsstrategien auf der Prozessebene.
Informative Rückmeldungen (Scaffolding nach Narciss)
Statt nur „richtig/falsch” geben informative Rückmeldungen gezielte Hilfen. Narciss unterscheidet fünf Arten:
- Hinweise zur Aufgabenstellung (Art der Aufgabe, Bearbeitungsregeln, Teilaufgaben)
- Hinweise auf relevante Begriffe und Konzepte
- Hinweise zu den Fehlern (Anzahl, Ort, Art)
- Hinweise, wie es weitergehen könnte (Korrekturhinweise, Lösungsstrategien, gelöste Beispiele)
- metakognitive Hinweise (Selbstkontrolle, Steuerung)
Was das für die Praxis heißt
- Erst Ziel und Kriterien klären (Feed Up), dann zum Prozess rückmelden.
- Lob zur Person sparsam einsetzen; lieber Strategien und nächste Schritte benennen.
- Fehler als Ansatzpunkt für informative Hinweise nutzen, nicht nur markieren.